Das Flügelfell

Ein “Flügelfell”, auch “Pterygium” genannt, ist eine gutartige Wucherung der Bindehaut, welche an der nasenwärtigen Grenze zur Hornhaut liegt. Es entsteht durch langjährige UV-Strahlung (Sonnenlicht) und kommt bei Menschen aus südlichen Ländern gehäuft und meist beidseits vor.

Symptome

Ein Flügelfell kann zu einer Reihe von Symptomen führen:

Trockenes Auge: Flügelfelle sind erhaben und bilden “Buckel” auf der Bindehaut. Die Folge ist, dass der Tränenfilm nicht mehr korrekt verteilt werden kann. Dadurch entstehen auf der Augenoberfläche trockene Stellen. Damit verbundene Beschwerden umfassen Kratzen, Beissen, Brennen, Tränenfluss und Lichtscheu.

Sehverminderung: wächst ein Flügelfell auf die Hornhaut über,so zieht es mechanisch an dieser. Die Hornhaut baut eine unregelmässige Hornhautverkrümmung auf. Diese schreitet fort und kann mit einer Brille nicht richtig korrigiert werden. Die Folge ist eine Sehverminderung und Verzerrtsehen. Im Extremfall wächst das Flügelfell bis über das Zentrum der Hornhaut und verunmöglicht das Sehen.

Erhöhte Blendung: entsteht durch das trockene Auge und eine vermehrte Lichtstreuung im Bereich des Flügelfells.

 

Das augenärztliche Vorgehen

Verursacht ein Flügelfell nur geringe Beschwerden und liegt kein Wachstum vor, so kann mit einer Behandlung zugewartet werden. Wir werden das Flügelfell fotografieren und in regelmässigen Abständen auf ein eventuelles Wachstum untersuchen.

Zeigt sich ein Wachstum oder werden die aufgeführten Symptome stärker, so sollte das Flügelfell entfernt werden. Die einzige Möglichkeit der Behandlung ist die operative Entfernung.

 

Die Operation

Die Operation wird je nach Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand entweder ambulant oder im Rahmen eines Spitalaufenthaltes durchgeführt. Sie dauert ca. 45 Minuten und erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung. Dazu spritzen wir mit einer sehr feinen Nadel ein Lokalanästhetikum
unter die Bindehaut. Dies ist für Sie praktisch schmerzfrei.

In einem ersten Schritt erfolgt die chirurgische Entfernung des Flügelfells unter dem Operationsmikroskop. Unmittelbar nach der chirurgischen Entfernung erfolgt in einem zweiten Schritt eine Glättung des Operationsgebietes mittels einer Excimer-Laser-Behandlung. Zuletzt wird Ihr Auge mit einem Salbenverband abgedeckt. Bitte nehmen Sie diesen Verband nicht selbst ab.

Links: Flügelfell ("Pterygium")
Mitte und rechts: Unregelmäßige Hornhautverkrümmung, durch das Flügelfell hervorgerufen

 

Nach der Operation

Postoperative Schmerzen: Durch die Operation ist ein Teil der Hornhautoberfläche offen, vergleichbar mit einer Schweisserblende oder Schneeblindheit. Dies verursacht zum Teil starke Schmerzen. Dies ist normal. Lassen Sie sich durch die Schmerzen nicht beunruhigen. Sie klingen langsam ab und sind in der Regel nach circa 72 Stunden praktisch verschwunden. Wir werden Ihnen ausreichend
Schmerztabletten mitgeben.

Der Arztbesuch: Am ersten Tag nach der Operation führen wir eine erste Nachkontrolle durch. Zu diesem Zeitpunkt entfernen wir auch den Verband.

Tag 1 bis 3, Mitomycin C-Augentropfen: die ersten 3 Tage nach der Operation werden wir Ihnen spezielle Augentropfen verschreiben, welche Sie 3x täglich verabreichen sollten. Nach dem 3. Tag stoppen Sie die Augentropfen. Diese speziellen Tropfen helfen dabei, ein Wiederkehren des Flügelfells zu verhindern. Es handelt sich um ein starkes Medikament. Bewahren Sie die angebrochene Flasche gut gesichert vor Kinderhänden auf. Bringen Sie die Flasche zur nächsten Kontrolle mit, wir werden sie dann für Sie entsorgen.

Tag 4 bis Woche 6: während dieser Zeit werden Sie morgens und abends entzündungshemmende, antibiotische Augentropfen anwenden.

 

Risiken und Komplikationen

Rezidiv: Mit der gewählten Operationsart und den postoperativen Augentropfen liegt das Risiko eines Rezidivs (Wiederkehren des Pterygiums) unter 5%.

Postoperative Infektion: wird nach dieser Art von Operation sehr selten (weniger als 1%) beobachtet und kann bei Auftreten antibiotisch behandelt werden.

 

Dies sollten Sie wissen

Rotes Auge: Ihr Auge wird ca 4-6 Wochen deutlich gerötet bleiben. Dies ist normal und sollte Sie nicht beunruhigen.

Kratzen, Brennen und Beissen: kann während 6-8 Wochen andauern. Zur Linderung der Beschwerden verschreiben wir Ihnen künstliche Tränen, welche Sie beliebig oft anwenden können.

Blendung durch helles Licht: Kann in den ersten Wochen nach der Operation ausgeprägt sein. Bei grossen Flügelfellen kann
eine gewisse Blendung auch permanent bestehen bleiben. Grund hierfür ist, dass das Flügelfell die Hornhaut narbig verändert. Entfernen wir nun das Flügelfell, so kommt die darunterliegende Hornhautvernarbung zum Vorschein. Diese streut vermehrt einfallendes Licht.

Abklingen der Hornhautverkrümmung: liegt eine durch das Flügelfell bewirkte Hornhautverkrümmungin vor, so baut sich diese in der Regel langsam ab. Dies kann bis zu 6 Monaten dauern. In sehr seltenen Fällen bleibt die Hornhautverkrümmung bestehen. Falls dies zu einer Beeinträchtigung des Sehkomforts führen sollte, so kann sie zu einem späteren Zeitpunkt durch einen refraktiven Lasereingriff behoben werden.