Ich habe bei Ihnen eine Lidrandentzündung festgestellt. Dieses
Informationsblatt klärt sie über die Ursachen einer Lidrandentzündung
auf, erklärt Ihnen die Symptome und zeigt Ihnen auf, wie die Entzündung
und die Beschwerden, die durch sie hervorgerufen werden, behandelt werden
können.
Was bedeutet
“Lidrandentzündung”?
Lidrandentzündung
bedeutet, dass die Talgdrüsen des Lides verstopft sind.
Der Tränenfilm des menschlichen Auges ist ungemein wichtig für
den Sehvorgang. Er schmiert die Augenoberfläche und hält sie
glatt. Der Tränenfilm besteht nur zum Teil aus Wasser, welches
von der Tränendrüse produziert wird. Wäre Wasser der
einzige Bestandteil des Tränenfilms, so würde der Film, sobald
das Auge geöffnet wird, sofort verdunsten und die Augenoberfläche
wäre ungeschützt.
Aus diesem Grund liegt über dem wässrigen Anteil des Tränenfilms
noch eine hauchdünne Fettschicht. Erst sie ermöglicht es,
die Augen für längere Zeit offen zu halten, ohne dass der
Tränenfilm aufreisst.
Dieser Fettfilm wird im Unterlid produziert. Hier sitzen circa 150 Talgdrüsen,
die fortwährend Talg (Fett) produzieren. Bei vielen Menschen sind
diese Talgdrüsen chronisch verstopft. Dies ist die Lidrandentzündung.
Die Augenoberfläche erhält zu wenig Fett, der Tränenfilm
reisst viel zu schnell auf. Die Folge ist ein sogenanntes “Trockenes
Auge”.
Auslöser kann jahrelanges Arbeiten in klimatisierten, trockenen
Räumen oder eine allgemeine Fehlproduktion von Talg oder jahrelange
übermässige Bildschirmarbeit sein.
Welche
Beschwerden ruft die chronische Lidrandentzündung hervor?
Die Symptome
sind vielfältig und reichen von geringen bis zu massiven Beschwerden:
Augenbrennen und Beissen, Verschwommensehen, Doppeltsehen, Kopfschmerzen.
Typischerweise treten diese Beschwerden nach längerer Bildschirmarbeit,
Fernsehen oder Lesen gehäuft auf.
Mein
Augenarzt spricht vom trockenen Auge. Dabei tränt mein Auge ständig...
Das tränende
Auge kann verschiedene Ursachen haben. Häufig ist es jedoch durch
eine Lidrandentzündung bedingt. Der Mechanismus ist einfach: der
Augenoberfläche fehlt der Talg (=das Fett). Der Tränenfilm
reisst sehr schnell auf, das Auge wird trocken und brennt. In einem
Reflex produziert die Tränendrüse noch mehr Wasser. Dies hilft
jedoch nicht, weil der Fettanteil nach wie vor fehlt. Die Folge ist,
dass das Auge “überläuft” und tränt, obwohl
es zu trocken ist.
Behandlung
der chronischen Lidrandentzündung
Die Behandlung
besteht aus mehreren Schritten: Vorerst verschreibe ich Ihnen “künstliche
Tränen” (Hylocomod®, Vislube®, Vismed®, Liquifilm®,
etc.). Diese enthalten das notwendige Fett, um die Augenoberfläche
zu schmieren. Sie sollten, je nach Beschwerden, 3-8mal pro Tag getropft
werden und bringen relativ schnell Linderung. Allerdings stellen “künstliche
Tränen” nur eine Übergangslösung dar, denn sie
wollen sicher nicht die nächsten Jahre auf sie angewiesen sein.
Daher müssen Ihre eigenen Talgdrüsen wieder Fett produzieren.
Dies gelingt mit der “Lidrandhygiene”. Sie ist in 3 Schritte
unterteilt...
Die
3 Schritte der Lidrandhygiene
Schritt
1: Öffnen der verstopften Talgdrüsen
Ich verschreibe Ihnen LidCare® als Reinigungslösung. Geben
Sie einige Tropfen LidCare® auf die Spitze eines Wattestäbchens
oder auf ein sauberes Watte-Pad. Reiben Sie mehrmals sanft und vorsichtig
auf der Lidkante. Dies ist sehr wichtig. Reiben Sie nicht auf der äusseren
Haut oder im Lidinneren, sondern auf der Kante. Alternativ können
Sie als Reinigungslösung auch Baby-Shampoo (ph-neutral) verwenden.
Schritt 2: Erwärmen des Talgs (Fettes)
Ziel ist es, die verstopften Talgdrüsen zu befreien. Talg ist Fett.
Je wärmer Fett wird, desto dünnflüssiger wird es. DAHER:
erwärmen Sie das Unterlid. Nehmen Sie ein warmes und feuchtes Frottetuch
und legen Sie es auf die Lider. Das Tuch sollte so heiss sein, wie Sie
gerade noch tolerieren können, ohne sich zu verbrennen. Die Wärme
sollte 4-5 Minuten angewandt werden, weil die Talgdrüsen einige
Millimeter in der Tiefe des Lides liegen und die Wärme dorthin
dringen muss. Erwärmen Sie gegebenenfalls das Frotteetuch mehrmals.
Schritt 3: Ausstreichen des Talgs
Die Talgdrüsen liegen senkrecht zum Unterlidrand. Daher sollten
Sie im 3. Schritt die Unterlider ca. 10mal von unten nach oben ausmassieren.
Die Menge an Talg, die dabei austritt, ist so gering, dass Sie diese
nicht mit blossem Auge wahrnehmen können.
Häufigkeit
der Lidrandhygiene
Einmal pro
Tag genügt. Viel wichtiger ist, dass sie jeden Tag durchgeführt
wird. Ein erster Erfolg stellt sich nach ca. 6 Wochen ein. Die Talgdrüsen
fangen dann wieder an, Fett zu produzieren. Zu guter Letzt
In den meisten Fällen entsteht eine chronische Lidrandentzündung
über viele Jahre hinweg. Demzufolge stellt sich auch der Behandlungserfolg
häufig erst nach 2-3 Monaten ein. GEDULD beim Patienten wie beim
Arzt ist daher oberstes Gebot. Geben Sie nicht auf! Der Erfolg stellt
sich bei den meisten Patienten nach ca. 6 Wochen ein.
Sonderfall: massive Lidrandentzündung
Bei sehr starker Entzündung werde ich Ihnen zunächst für
3 Wochen ein antibiotisches Gel verschreiben (Fucithalmic Gel®).
Streichen Sie dieses 3mal täglich auf die Lidkante. Es handelt
sich um ein Augengel. Falls etwas davon ins Auge gelangt, so ist dies
ungefährlich. Gleichzeitig sollten Sie, wie oben beschrieben, die
“künstlichen Tränen” verwenden. Nach der 3wöchigen
Kur sollten Sie das Gel absetzen und mit der Lidrandhygiene beginnen.