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UV-Crosslinking bei Keratokonus

Vorwort

Liebe Patientin, lieber Patient!
Bei Ihnen wurde ein Keratokonus der Hornhaut festgestellt. Bei dieser Erkrankung, die in der Schweiz einen Menschen auf 2’000 betrifft, kommt es zu einer meist fortschreitenden Auswölbung der Hornhaut, welche die Sicht beeinträchtigt und in letzter Konsequenz bisher in vielen Fällen zur Hornhaut-Verpflanzung mit den damit verbundenen Risiken führte.

In dieser Broschüre finden Sie Informationen über den Keratokonus und das UV-Riboflavin- Crosslinking der Hornhaut (Quervernetzung durch UV-Licht und Vitamin B2), einer erst seit 10 Jahren angewendeten Behandlungsmethode des Keratokonus. Die Quervernetzung der Hornhaut stellt eine Methode dar, die fortschreitende Auswölbung der Hornhaut bei Keratokonus aufzuhalten. Die Resultate einer ersten Studie über 7 Jahre Nachbeobachtungszeit sind sehr ermutigend und wir sind davon überzeugt, dass diese innovative Methode sehr bald als Standardbehandlung bei Keratokonus akzeptiert wird.

Die Entwicklung dieser Methode fügt sich damit nahtlos in die Maxime der IROC ein, um eine einzigartige Qualität zu erreichen:

  • Wir haben eine langjährige Erfahrung im Bereich der Augenchirurgie und unsere Operateure haben insgesamt über 20.000 Eingriffe durchgeführt.
  • Eine unserer Stärken ist die Zusammenarbeit. Die an Ihrem Auge erhobenen Befunde im Team besprochen, um eine optimale Vorgehensweise zu garantieren. Dabei führen wir eine Nutzen-/Risikoanalyse durch und tragen auch Ihrer Lebenssituation Rechnung.
  • Bedingt durch die langjährige Erfahrung sind wir zurückhaltend geworden und führen Operationen nur bei genügend Aussicht auf Erfolg durch.

 

Wir würden uns freuen, Sie in der IROC begrüssen zu können.

Ihr IROC Team


Der Keratokonus

Häufigkeit und Ursachen

Der Keratokonus tritt in unserer Bevölkerung bei einem Menschen von 2’000 auf. Die Ursachen des Keratokonus sind heute noch
weitgehend unbekannt. Er kommt familiär gehäuft vor, was unter anderem auch für eine vererbte Ursache sprechen kann. Die einzige gesicherte Ursache, die ein hohes Risiko für die Enstehung eines Keratokonus darstellt, ist heftiges und häufiges Augenreiben über Jahre hinweg (zum Beispiel bei Allergien).


Symptome

Beim Keratokonus kommt es aufgrund der Gewebeschwäche zu einer vermehrten Auswölbung und Vorwölbung der Hornhaut. Da die Hornhaut ein wichtiger Bestandteil der Optik des Auges ist, entsteht dadurch eine Reihe verschiedener Symptome: Schwankungen in der Sehschärfe, eine Abnahme der Sehschärfe trotz Korrektur mit Brillenglas oder Kontaktlinse, das Wahrnehmen von Lichtringen um Leuchtquellen (“Halos”) und Geisterbilder sowie eine erhöhte Lichtempfindlichkeit und Blendung.


Zeitlicher Verlauf

Wir unterscheiden zwischen einer “stillen” Form des Keratokonus, der sogenannten “Forme Fruste” und dem voranschreitenden
Keratokonus, der “progressiven” Form.

Forme Fruste: Die “Forme Fruste” ist 10mal so häufig wie die fortschreitende Form. Sie erzeugt in der Regel keinerlei Symptome und ist für den Patienten von einer normalen Hornhautverkrümmung oft nicht zu unterscheiden. Entdeckt wird sie häufig zufällig anlässlich einer augenärztlichen Kontrolle. Sie muss nur ärztlich beobachtet, bei stabilem Zustand aber nicht behandelt werden.

Progressive Form: Diese ist agressiv und kann sich bereits im Teenageralter bemerkbar machen. Mit Fortschreiten der Erkrankung
wird die Korrektur der Sehschärfe mittels Brillengläsern immer schwerer, da die Vorwölbung der Hornhaut unregelmässig ist.
Ein solch unregelmässiger “Astigmatismus” (Hornhautverkrümmung) kann besser durch Kontaktlinsen korrigiert werden, da diese
einen Druck auf die Hornhaut ausüben und die gröbsten Unebenheiten ausgleichen können.

So ist der anfänglichen Phase der Erkrankung eine gute Sehversorgung möglich, bei der Betroffene bis zu 100% Sehkraft erreichen in einer bestimmten Phase der Erkrankung eine gute Sehversorgung möglich, bei der Betroffene bis zu 100% Sehkraft erreichen können.

Nimmt die Vorwölbung der Hornhaut jedoch weiter zu, so kommt der Zeitpunkt, an dem auch harte Kontaktlinsen nicht mehr getragen werden können, da sie immer wieder herausfallen.

Mit der zunehmenden Auswölbung wird die Hornhaut unterhalb der Zentrums immer dünner. Sie kann aufreissen und vernarben. Dies setzt dann die Sehschärfe auf Dauer herunter.

Die bislang einzige Möglichkeit der Therapie bestand darin, die erkrankte Hornhaut zu entfernen und durch eine Spender-Hornhaut zu ersetzen (Hornhaut-Transplantation). Eine solche Operation ist jedoch eine Organverpflanzung mit den damit verbundenen Risiken und Komplikationen und ein angemessenes Sehvermögen wird häufig erst circa 2 Jahre nach der Operation erreicht. Zudem trifft die Hornhautverpflanzung beim Keratokonus zumeist junge Menschen, die mit der transplantierten Hornhaut noch viele Jahrzehnte leben werden, was bedeutet, dass das Transplantat über Jahrzehnte hinweg einwandfrei funktionieren muss.


Links: verzerrtes "Placido"-Bild eines Keratokonus
Rechts: Hornhaut-Topographie eines Keratokonus


 

UV-Riboflavin-Crosslinking der Hornhaut

Diagnosestellung

Uns stehen eine Reihe moderner Untersuchungsmethoden zur Verfügung, mittels derer wir einen Keratokonus feststellen können:

Hornhaut-Topographie: Diese nimmt eine “Höhenkarte” der Hornhaut auf, welche einen Keratokonus im unteren Anteil der Hornhaut erkennen lässt.

Hornhaut-Pachymetrie: Eine Ultraschall- Unterschung der Hornhautdicke ergibt beim Keratokonus eine Verdünnung im unteren Hornhautbereich.


Was ist Crosslinking?

Crosslinking (Quervernetzung) ist ein Verfahren zur Stabilisierung der Mechanik und Biochemie von Materialien (Geweben).


Ist Crosslinking neu in der Medizin?

Nein. Das Crosslinking von Geweben wird in anderen Fächern der Medizin (Stimmbänder, Herzchirurgie) bereits seit Jahren eingesetzt. Die Anwendung von Crosslinking am Auge ist erst seit 5 Jahren Routine.


Wie funktioniert Crosslinking?

Beim Crosslinking entsteht eine erhöhte Zahl von Querverbindungen zwischen den Fasern eines Gewebes. Dies ist vergleichbar mit einem Netz, das zusätzliche Verstrebungen erhält und dadurch mechanisch stabiler wird.


Crosslinking der Hornhaut

Crosslinking der Hornhaut wird durch eine Kombination von UV-Bestrahlung mit Verabreichung von Riboflavin-Augentropfen (Vitamin B2 Abkömmling) erreicht. Die Intensität der UV-Strahlung ist dabei so gewählt, dass sie hinter der Hornhaut im Inneren des Auges gelegenen Strukturen nicht schädigt.


Die Operation

Die Operation kann ambulant durchgeführt werden, dauert mit der Vorbereitung insgesamt circa 1 bis 1,5 Stunden und erfolgt unter örtlicher Betäubung. In einem ersten Schritt entfernen wir die Versiegelungsschicht der Hornhaut, das Epithel. Dies ist notwendig, damit das Riboflavin (Vitamin B2) in die Hornhaut hinein gelangen kann. Anschliessend wird die Hornhaut während 10 - 30 Minuten mit UV-Licht behandelt. Am Ende der Operation legen wir Ihrer Hornhaut eine Verbands-Kontaktlinse an. Diese verbleibt einige Tage auf dem Auge und wird dann von uns entfernt.

 


Crosslinking


Ziel der Operation

Primäres Ziel der Operation ist es, die Vorwölbung der Hornhaut zu stabilisieren, die gegenwärtige Form also "einzufrieren". In etwa 40% der behandelten Augen kommt es zu einer geringen Zurückbildung (Regression). Sollte später aus irgendwelchen Gründen eine Hornhaut-Verpflanzung notwendig werden, so kann diese jederzeit durchgeführt werden.


Nach der Operation

Postoperative Schmerzen: Durch die Operation ist ein Teil der Hornhautoberfläche offen, vergleichbar mit einer Schweisserblende
oder Schneeblindheit. Dies verursacht zum Teil starke Schmerzen, was nach dieser Art von Operation normal ist. Lassen Sie sich durch die Schmerzen also nicht beunruhigen. Sie klingen langsam ab und sind in der Regel nach circa 48 Stunden praktisch verschwunden. Wir werden Ihnen ausreichend Schmerztabletten mitgeben.

Die Arztbesuche: An den ersten 3 Tagen nach der Operation stehen wir Ihnen zur Verfügung, jedoch findet die nächste reguläre Kontrolle nach 3 Tagen zur Entfernung der Kontaktlinse statt. Das Auge wird noch für 3 Wochen mit antientzündlichen Augentropfen behandelt.

Zur nächsten wichtigen Kontrolle müssen Sie sich dann nach 1 Monat wieder vorstellen. Bis dahin dürfen Sie keine Kontaktlinse am operierten Auge benutzen. Weitere Kontrollen finden nach 6 und 12 Monaten statt.


Risiken und Nebenwirkungen

Rotes Auge: Ihr Auge wird ca 2 Wochen deutlich gerötet bleiben. Dies ist normal und sollte Sie nicht beunruhigen.

Kratzen, Brennen und Beissen: kann während 6-8 Wochen andauern. Zur Linderung der Beschwerden verschreiben wir Ihnen künstliche Tränen, welche Sie beliebig oft anwenden können.

Sicht: in den ersten 6 Monaten nach der Operation kann die Sicht verschwommener sein als zuvor. Nach dieser Zeit werden Sie die gleiche oder eine bessere Sehschärfe haben wie vor der Operation. Nach einem Jahr sehen 20% der behandelten Augen signifikant besser als vor der OP und ca. 1% der Augen sieht schlechter.

Blendung durch helles Licht: Kann in den ersten Monten nach der Operation ausgeprägt sein.

Therapieversager: Nach einem Jahr zeigt sich bei ca. 3% der Augen eine weiter anhaltende, wenn auch abgeschwächte Progression. Meist handelt es sich hierbei um weit fortgeschrittene Fälle.

UV-Vernetzung